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RISIKO ATOMKRAFT 

(NA 8)

Sie kann in bis 2020 (oder eher)vielleicht durch eine www.nachhaltige-volkswirtschaft.de und alternative Energien ersetzt werden. Doch dürfen diese im Exportland Deutschland die Energiepreise nicht verteuern.

Inhalt

Wende durch die Nuklearkatstrophe? (NA 8.1) - Energie-Alternative Atomstrom? (NA 8.2) - Wie sicher sind unsere AKW ?(NA 8.3) - Endlagerungsfehler unterstützen die Atomkraftgegner (NA 8.4) - Endlagerung radioaktiver Abfälle (NA 8.5) - Endlagerungs- und Abbaukosten der AKW (NA 8.6) - "Atomunfall nie ausgeschlossen" (NA 8.7) - 30. 5. 2011 Atomausstieg beschlossen (NA 8.8) - Radioaktivität in Lebensmitteln! (NA 8.9)

Die japanische Nuklearkatastrophe veränderte besonders in Deutschland, anders als in vielen anderen Ländern, die Einstellung zur Atomkraft.
Wer konnte floh schnell mit dem Flugzeug aus Japan. Doch auch Europa ist klein. Frankreich bezieht z. B. rund 80 % seines Stromes aus der Atomkraft und in Schweden hätte es beim staatlichen Kernkraftwerk vor einigen Jahren fast den Supergau gegeben. So sicher ist Europa also auch nicht. Beispielsweise soll Wildfleisch aus Süddeutschland wegen der Radioaktivität aus Tschernobyl auch heute noch gering verzehrt werden. Und der GAU liegt rund 25 Jahre zurück.

Wende durch die Nuklearkatastrophe? (NA 8.1)

Wegen der Nuklearkatastrophe am 22. 3. 2011 in Japan bei Fukushima wurde besonders in Deutschland der schnelle oder der sofortige Ausstieg aus der Kernenergie gefordert. Dies ist leider nicht übereilt möglich. Dazu zuvor einige zusätzliche Daten und Überlegungen in diesem Abschnitt RISIKO ATOMKRAFT.

In DER SPIEGEL 14/2011 berichtet ein ungenannter Tepco-Mitarbeiter (Tepko=Betreiberges.)über eine weitere Person verdeckt über fehlende Kontrollen der Kraftwerke. "Ohnehin funktioniert die Kontrolle in Japan nicht. Nisa (die Aufsichtsbehörde) untersteht dem Wirtschaftsministerium, und das...hat auch das Ziel, die Atomkraft zu fördern."

Am 12. 4. 2011 wurde von der japanischen Regierung die Gefahrenstufe 5 auf die höchste seit Tschernobyl Gefahrenstufe 7 heraufgesetzt: Schwerste Freisetzung, Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in einem weiten Umfeld. 

Allerdings zeigt die japanische Kernkraftkatastrophe auch ganz unglaubliche Zusatzkosten der Kernkraft auf. Zunächst ist nirgendwo die Endlagerung gelöst und geregelt, obwohl dies möglich wäre. Die Kosten werden den Stromkosten nicht zugeschlagen. Entsprechend sind auch die Rückbaukosten nicht eingeplant. Sollte dann ein AKW-Unfall Millionen Menschen strahlungskrank und ihre Behausungen unbewohnbar machen, sodann vielleicht das Meer mit den Fischbeständen, wie z. B. den Pazifischen Ozean, verseuchen - wenn dies nur einige Male passiert, kann die Erde unbewohnbar werden. Wer kann die Erde bezahlen?

Weil die Strahlung in großem Umkreis auch die Nahrung kontaminiert, wird durch www.verbraucherzentrale.de  die Radioaktivität in Lebensmitteln, täglich aktualisiert, angegeben. Einfach auf das Bundesland drücken. Auch aus dem Tschernobyl-Unfall wird die Radioaktivität angegeben.

Schon am 13. 4. 2011 wurde gemeldet (t-online.de, AFP, dpa): Das französische Forschungsinstitut CRIIRAD meldet erste Spuren von radiaktivem Jod-131 in Proben von Regenwasser und Milch in Südfrankreich. Die Proben vom 27. u. 28. 3. 11 zeigten 8,5 Becquerel per qm. Auch Freilandgemüse, Salat und mit Regenwasser begossene Treibhausware können zukünftig betroffen sein. Auch in Deutschland, Kanade und den USA wurden Ende März, Anfang April erste radioaktive Teilchen in geringer Menge entdeckt. - Allerdings brächte ein Besuch beim Zahnarzt mit Röntgenaufnahnmen eine höhere Belastung.

Wohlgemerkt: Die künstliche Radioaktivität wird im Medizinbereich meistens durch unzulässigen Vergleich mit natürlicher Radioaktivität, wie Flug mit dem Flugzeug, verharmlost. 

 

Energie-Alternative Atomstrom? (NA 8.2) 

In vielen Ländern, besonders in Indien und China, werden große Mengen weiterer Atom-Kraftwerke errichtet werden. Deutschland umgebende Länder, wie die Tschechei und Frankreich beispielsweise, bleiben bei den Atomkraftwerken und gefährden Deutschland weiterhin. Nur neue Erfindungen (zusätzlich zu den vorhandenen der "erneuerbaren Energien") können die Atomenergie ausgleichen - oder entsprechende Einsparungen.

Eine wichtige Erfindung wäre die sichere Endlagerung für Atommüll, die in allen Reaktor Betreiberländern für Millionen Jahre geregelt werden müsste. Weltweit sollen 2007 (lt. DER SPIEGEL 28/08 n. Quellen IAEA, WINA) 300.000 Tonnen lagern, die sich bis 2020 auf 445.000 Tonnen vermehren sollen. Hier hätten schon lange Lösungen gefunden werden können, die möglich und sicher sind. Stattdessen wurde über Jahre wenig gemacht.  Die jetzigen Endlagerungslösungen sind schon in Deutschland nicht nachhaltig, geschweige denn in vielen anderen Ländern. Siehe dazu Zukunftsforschungen.

       

Welches Land erhielt wieviel Strom aus der Kernkraft

in % 2007

Nr.

Land

%

1

Frankreich

76,8

2

Litauen

64,4

3

Slowakei

54,3

4

Belgien

54,0

5

Ukraine

48,1

6

Schweden

46,1

7

Slowenien

41,6

8

Schweiz

40,0

9

Ungarn

38,8

10

Südkorea

35,3

11

Bulgarien

32,1

12

Tschechien

30,2

13

Finnland

28,9

14

Japan

27,5

15

Deutschland

22,3

 

www.INFO-sd NA 3.1.1

Deutschland stand 2007 also mit 22 % an 15. Stelle beim Strom aus Kernkraft und 12 nahe europäische Länder davor - ganz vorn Frankreich mit 77 %.

 

Für und gegen Atomenergie (einige Argumente 2008) 

Nr.

Für deutsche Atomkraft

Gegen deutsche Atomkraft

1

Energiepreisreduzierung d. Zusatzangebot

 

2

Kohlendioxydfreie Energie

 

3

   Endlagerung: Muss sowieso gelöst werden >

<Noch immer fehlende Endlagerung

4

   Umliegende nahe Länder sind gefährlicher>

<Gefahr d. Radioaktivitätsaustritts oder GAU 

5

   Probleme z. T. in Karlsruhe gelöst>

<desgl. b. neuen Druckwasserreaktor

6

   Dann Abschaltung leicht möglich.>

<kein Kühlwasser bei großer Wärme

   Ohne deutschen Abfall kaum weniger> 

< 300 Ts. to hochradioaktiver Abfall weltweit

   Ohne Atomkraftforschung kein Einfluss international  

< Asse (siehe +Fehler) war wohl schlecht  

 

Professor Hans-Werner Sinn nannte in der "Wirtschaftswoche" Nr. 30/08 einen sofortigen Atomausstieg einen folgenschweren Irrtum, der uns zig Milliarden Euro kostet. Er nannte dann Finnland, dass das größte Atomkraftwerk aller Zeiten baut und Großbritannien, dass 4 AKWs abschalten will - aber 6 neue bauen. China plante 24, die USA 12, Japan 11, Indien 10, Tschechien und die Schweiz an der Grenze je 1 neues Atomkraftwerk.

Und weiter meint er, dass wir immer davon überzeugt sind, "dass die Welt am deutschen Wesen genesen soll.... Es ist immer eine andere Meinung, mit der wir die Welt gerade beglücken wollen..." Für Sinn machen vor allem Zahlen Sinn: Wie 28 % des Windstroms, 48 % des fotovoltaikscher Strom und 45 % des Biodiesels der Welt werden in Deutschland erzeugt. "Wir zeigen es den anderen wieder einmal".  - Allerdings liegt der Sinn vielleicht ja zukünftig mehr auf der Forderung: Nachhaltig-handeln oder fast nicht mehr handeln können, wie bei der heutigen Wirtschaftskrise (siehe auch  http://www.nachhaltige-ökologie.de/ )

Der ehemalige Chef des Uno-Umwelt-Programms und frühere bundesdeutsche Umweltminister Prof. Klaus Töpfer sagte im SPIEGEL-Gesprächs (Nr. 29/08) unter anderem auf die SPIEGEL-Frage: " Die AKW-Betreiber würden ihre Laufzeiten wohl am liebsten um 30 Jahre auf die international übliche Betriebsdauer von bis zu 60 Jahren verlängern. Wieviel würden Sie gestatten?"...Topfer: "Wir müssen so schnell wie möglich die Struktur unserer Energieversorgung umstellen. Wie lange das exakt dauern wird, kann ich nicht sagen. Gewiss braucht man mehr als die derzeitige jährliche Steigerung bei der effizienten Nutzung von Energie um mindestens drei Prozent, man braucht saubere Kohle, erneuerbare Energien und ergänzend, für eine gewisse Zeit, die Kernenergie. Ohne mehr Investitionen in die Energieforschung geht das nicht." Der SPIEGEL: "Wieviel müssten von den zusätzlichen Milliardengewinnen der Stromkonzerne abgeschöpft werden?"

Töpfer (zu den zusätzlichen Gewinnen aus längerer AKW-Laufzeit): "Wenigstens 60 bis 70 % müssten in einen Fonds gehen, der die sozialen Härten der hohen Energiepreise abmildern und die Forschung vorantreiben kann. Die bei den Unternehmen verbleibenden 30 - 40 % wären Anreiz genug...."

Und zum AKW-Neubau-Verbot im Grundgesetz meinte Töpfer: "Ich fürchte, dann haben wir bald eine Ansammlung von Technologien im Grundgesetz, die man nach der aktuellen Meinung nicht mehr weiterdenken darf. Davon halte ich wenig."

Töpfer: "Wir dürfen beispielsweise nicht die Forschung zur Sicherheit der Atomenergie abbrechen lassen - die Fragen sind ja nicht gelöst."

Dabei ist ein Hauptproblem die Lösung der Endlagerungsfrage (siehe dazu am Schluss). 

Unter "Alternativ-Energien?" findet sich >Energieträgeranteile zur Nettostromerzeugung (NA 3.3)<. Die dortigen Zahlen aus dem Jahre 2007 veränderten sich 2008 kaum.

Unter "Spurengase und Erwärmung" findet man bei >Einsparung durch Energieeffizienz (NA 2.5) Die Einteilung des Energieverbrauchs 1999 in %: Der Primärenergieverbrauch beträgt dabei 100 %. Die Verluste im Energiesektor und der nichtenergetische Verbrauch betrugen 34,5 %. Es verblieben für den Endenergieverbrauch 65,5 %. Höhere Energieeffizenz sollte die erf. Primärenergie, z. B. durch Hochtemperatur-Supraleiter ab 2009 senken. Hier ist nicht viel geschehen.

Der Primärenergieverbrauch teilte sich in Deutschland (Quelle dena) 2008 wie folgt auf: Erneuerbare Energien 7 %, Kernenergie 12 ", Erdgas 22 %, Mineralöl 35 %, Steinkohle 13 %, Braunkohle 11 %.

Matthias Iken schrieb zu den Problemen des Ausstiegs im Hamburger Abendblatt am 22. 3. 2011 unter anderem in seinem Leitartikel: "...Mit einer Hitzigkeit, die an die 70er-Jahre gemahnt und stellenweise an Hysterie grenzt, beharken sich Atomkraftgegner und die letzten Freunde der Kernspaltung....

Ein rascher Ausstieg bis 2020 würde nach Berechnung der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung nicht nur bis zu 230 Mrd. € kosten, er könnte auch dem Standort Deutschland massiv schaden. ..wer hier überstürzt den Stecker ziehen will, riskiert ganze Branchen und Hunderttausende Arbeitsplätze.

...Einiges deutet darauf hin, dass die größten Verhinderer, Verzögerer und Gegner...die Bürger selbst sind. ...Der Bau von Windanlagen an Land oder auf hoher See stößt auf massiven Widerstand, Kohlekraftwerke werden radikal abgelehnt. In Norddeutschland bekämpfen Bürger Biogasanlagen, im Süden neue Wasserkraft- und Pumpspeicherwerke. Und in der Mitte des Landes empören sich viele über große Stromtrassen, die die Ökoenergie aus dem Norden in den Süden bringen sollen...."

Zu den Stromtrassen einige Zahlen: Um die Erneuerbaren z. B. aus Windenergie durch Deutschland zu transportieren sind erforderlich: 3.600 km Höchstspannungsleitungen, vorhanden sind nur 90 km. Kosten rund 9,5 Mrd.(Lt. DER SPIEGEL 12/2011) - Hauptproblem sind dafür die Trassen, die meistens keiner - auch nicht die GRÜNEN - bei sich haben will (siehe z. B. Elektrosmog unter www.haussanierungspraxis.de ).

 

Wie sicher sind unsere AKW? (NA 8.3)

DER SPIEGEL 12/2011 listete unter der Überschrift "Landkarte des Schreckens" viele Sicherheitsmängel bei allen deutschen Kernkraftwerken auf. Die immerhin 10 Autoren Matthias Bartsch, Andrea Brandt, Michael Fröhlingsdorf, Laura Höflinger, Simone Kaiser, Günther Latsch, Cordula Meyer, Marcel Rosenbach, Holger Stark und Gerald Traufetter hatten gravierende Sicherheitsmängel bei deutschen Kernkraftwerken erkundet und berichteten schon Erschreckendes:

Zitiert wurde u. a. ein Risikogutachten von Wolfgang Renneberg, dem ehemaligen Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit und Strahlenschutz im Bundesumweltministerium mit: "Keines der heute betriebenen Kraftwerke würde die heutigen internationalen Auslegungsanforderungen für neue Kernkraftwerke erfüllen. Wir dürfen uns nicht vormachen, dass bei uns die Kernschmelze beherrschbar wäre." 

In DER SPIEGEL 12/2011 wurden (aus BMU/BMWI) die Daten zur Bruttostromerzeugung (ohne die Verluste im Energiesektor) aus dem Jahre 2010 in % genannt: Kernenergie 22,4 %, Erneuerbare Energien 16,8 %, Erdgas 13,9 %, Steinkohle 18,7 %, Braunkohle 23,7 % und Sonstige 4,5 %. Darin wurden die 7 Kernkraftwerke genannt, die vorrübergehend oder dauerhaft stillgelegt werden sollen. Es sind Biblis A und B, Brunsbüttel, Isar 1 Neckarwestheim 1, Philippsburg 1 und Unterweser (Titel Strom - Die schmutziige Brücke).

Doch zurück zur Landkarte des Schreckens der 10 Autoren. Hier werden für jedes Kraftwerk die Mängel mit Stand 31. 12. 2010 aufgelistet. Außer den genannten 7 Kraftwerken sind es noch weitere 10 Kraftwerke = 17 insgesamt.

Der Bezug der Zeitschrift wird dazu empfohlen.

Am 24. 3. 2011 waren sich die Regierungschefs der 5 norddeutschen Küstenländer bei einem Treffen in Boltenhagen einig: Atomkraftwerke abschalten, mehr Strom aus Wind gewinnen. Außerdem sollten sie sich der unterirdischen Kohlendioxyd-Verpressung entgegenstellen (25. 3. 11 in HA).

 

Endlagerungsfehler unterstützen die Atomkraftgegner(NA 8.4)

Ein Hauptproblem der AKWs scheint die sichere Endlagerung des Atommülls zu sein. Sie sollte in der Welt und in Deutschland bis zum ausreichenden Abklingen der Radioaktivität sicher sein. Dies kann nie in Bergwerken erfolgen, deren Stollen bekanntermaßen immer irgendwann einstürzen oder von Wasser geflutet werden können.

Ursprünglich wurden, vor dem preiswerten Verkauf der staatlichen an private Energieunternehmen, die deutschen AKWs von den früher staatlichen Energieunternehmen betrieben. Als Lösung kam die Endlagerung des Atommülls in früheren Salzbergwerken in Gebieten ohne Erdbeben ins Visier, deren Sicherheit als Forschungsaufgabe zu beweisen war.

Die Forschung nach einer sicheren Atommüll-Endlagerung und das Betreiben wurde vom Bundesforschungsministerium an das staatliche Helmholtz-Zentrum in München gegeben. Man begann mit dem ehemaligen Bergwerk Asse in Remlingen bei Wolfenbüttel in Niedersachsen als Versuchsendlager. Dort wurden dann zwischen 1967 und 1978 ungefähr 126 000 Fässer mit radioaktiven Abfällen gelagert. Vor 20 Jahren, nämlich 1988, begannen dort täglich rund 12 cbm Salzlauge einzusickern. "Geht im Bergwerk nicht" hätte bedeutet: Geld weg und gut honorierte Arbeit auch. Es wurde weiter gearbeitet.

Das Schließungskonzept des Helmholtz-Zentrums sah später eine Flutung der alten Schachtanlagen mit einem Spezial-Fluid wegen Einsturzgefahr von Bergwerksstollen schnellstmöglich vor. Die eingelagerten Atommüll-Fässer wären dann kaum rückholbar gewesen. Gegner dieses Konzepts meinten dazu, dass die Flutung den alten Salzstock erst recht instabil machen würde und sich Radioaktivität über die Flüssigkeit schnell ausbreiten könne. Das Bundesamt für Strahlenschutz war bei der Genehmigung leider und nach Behördengang nicht zuständig. Ludger Fertmann berichtet in vielen Artikeln im Hamburger Abendblatt über die unglaublichen Forschungsergebnisse und Handlungen der beauftragten Fachleute. Daraus und aus anderen Berichten soll nachfolgend nur ganz wenig kurz zu Asse zusammenfassend wiedergegben werden:

Einige Fakten nach Daten:

  1. 24. 6. 08: Krisengipfel von Bundesumweltminister Gabriel, Bundesforschungsminister Schavan und der niedersächsische Umweltminister Sander in Berlin. Wenige Tage vorher war bekannt geworden, dass radioaktive Lauge aus dem Atommüllager ausgetreten und deshalb in den tiefsten Teil des früheren Salzbergwerks gepumpt wurde.
  2. 30. 6. 08: Der Sprecher der Kritiker, Peter Dickel, forderte in der Landeshauptstadt Hannover eine Prüfung, ob der verseuchte Atommüll wieder aus dem ehemaligen Salzbergwerk zurückgeholt werden müsse. Der "eigentliche Skandal" sei für ihn, dass seit dem Jahre 1988 täglich über 12 cbm Salzlauge in das Bergwerk fließen. Hierüber und über das Grundwasser könnte Radioaktivität in die Biosphäre gelangen. Dickel schloss nicht aus, dass die Betreiber auch deshalb auf eine schnelle Verfüllung mit einer Magnesiumcloridlösung drängten, weil sie so Beweise vernichten wollten. Erst 2 Wochen zuvor war bekannt geworden, dass in dem Bergwerk in Regie des Bundesforschungsministeriums auch flüssige Atomabfälle gelagert wurden, dass es außerdem Überschreitungen der Grenzwerte Cäsium um das 11-fache gegeben haben soll (fert in HA 1. 7. 08).
  3. 1. 7. 08: Bei der Landtagsdebatte in Hannover übten alle Fraktionen Kritik am Helmholtz-Zentrum und an der Genehmigungsbehörde, dem niedersächsischen Bergamt. Dass die Öffentlichkeit, nach Grünen-Chef Wenzel, "viele Jahre an der Nase herumgeführt wurde", war im Landtag Konsens. Von allen Seiten gab es dagegen Komplimente für die örtliche Bürgerinitiative, deren Hartnäckigkeit dazu führte, dass die Probleme öffentlich wurden.
  4. 4. 7. 08: Der Staatssekretär Birkner im niedersächsischen Umweltminsterium besuchte das Salzbergwerk. Ob im Helmholtz-Zentrum oder im Bergamt gegen Strahlenschutzbestimmungen verstoßen wurde, versucht die Staatsanwaltschaft Braunschweig zu klären. Bei einer Verurteilung bei nachgewiesenem Vorsatz drohen Strafen bis zu 5 Jahren. Die Verjährungsfrist beträgt aber angeblich auch nur 5 Jahre.
  5. 5. 7. 08: Mit Bannern und Plakaten, wie "Kriegen wir strahlende Zeiten dank Atommüll-Diktatur" oder "Asse 2 Atom Klo", demonstrierten etwa 700 Menschen vor dem Atommülllager Asse. Initiativen und Politiker hatten dazu aufgerufen. Sie protestierten gegen die geplante plötzliche Schließung durch Flutung. Anwohner und Umweltschützer forderten, die Müllfässer müssten rückholbar bleiben.
  6. 12. 8. 08: DasHelmholz-Zentrum räumte ein, dass in den 60er Jahren, entgegen den gültigen Bestimmungen, auch flüssiger Atommüll in Fässern in asse gelagert worden sei.
  7. TÜV Nord Experte Heinz Kröger sagte am 25. 8. 08 vor dem Untersuchungsausschuss des Landtags in Hannover: "Wir haben keinen Hinweis gefunden, dass dort in derAsse hoch radioaktive Abfälle endgelagert worden sind." (Anm.: Schwach radioaktive Abfälle dann sicher, die auch nicht das rundwasser verseuchen dürfen. Die Red.). Auch an der Zuverlässigkeit der betriebsinternen Aufzeichnungen gebe es keinerlei Zweifel. Obwohl der Betreiber (Helmholz-Zentrum) gefordert hatte, den Transportstopp der radioaktiven Lauge in ein Bergwerk bei Celle sofort aufzuheben, ließ der Umweltstaatssekretär Birkner (FDP) diesen bestehen (dpa in HA 26. 8. 08).
  8. Anfang September 08 berief der Umweltminister Gabriel dann überraschend eine Pressekonferenz nach Berlin ein. Zuvor stellte er die Fachkunde des Helmholz-Zentrums in Frage und in Hannover sagte Frau Heinen-Kljajic (Grüne): "Ohne aufwendiges Genehmigungsverfahren konnte in der Asse billig Atommüll entsorgt werden." Als Ergebnis bisheriger Tätigkeit kann das Grundwasser möglicherweise radioaktiv verseucht werden, weil die Stollen in 400 bis 800 m Tiefe sind einsturzgefährdet sind. Der BMU-Bericht vom 2. 9. 08 belegte "schwerwiegende Defizite beim Betreiber (Helmholz-Zentrum), bei der Genehmigungsbehörde und bei der Strahlenschutzaufsicht.

Seitenweise könnte über Asse weiter berichtet werden. Glücklicherweise wurde dann das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) eingeschaltet, die weiteren Arbeiten zu leiten und die früheren Arbeiten anderer zu überprüfen. Das Bundesamt für Strahlenschutz informiert jetzt umfassend auf www.endlager-asse.de über die Arbeiten und Planungen für die Stillegung.

Ähnlich Asse ist der Schacht Gorleben gelegen. Schon seit Jahren bezweifeln Fachleute der örtlichen Initiativen, dass das Deckgebirge über den Salzbergwerken langfristig ausreicht Wasser vom atommüll fernzuhalten. Lediglich der Schacht Konrad in einem ehemaligen Erzbergwerk ist (nach BfS) wahrscheinlich zur Atommülllagerung geeignet. Das Bundesforschungsministerium will schon mal statt jetzt 10 Mrd. €  14 Mrd. € für die Atomforschung haben - wie die Ministerin Schavan Ende Juli 2008 der "Berliner Zeitung" sagte. 

Eine im Auftrag des Bundesumweltministeriums durch das Ing.-Büro Fichtner erstellte gutachterliche Stellungnahme rechnete mit einer 25-jährigen Rückholaktion zu 2,5 Milliarden € an Kosten. Besonders problematisch: Eine Rückholaktion würde die Bergleute unter Tage hohen Dosen an Radioaktivität aussetzen, ein ständiges"Absaufen" der Schachtanlage sei dabei zu befürchten (L. Fertmann 27. 8. 08 in HA).

Anm. d. Red.: Die Kosten werden mit Sicherheit vielfach höher sein. Jedoch wurden allein durch die IKB Bank Ende August 08 fast 30 Mrd. Steuergelder über KfW verbraucht, mit den Verlusten der Landesbanken durch US-Immobilienfonds zusammen bald 100 Mrd. - insofern würden selbst 10 Mrd. keine Rolle spielen. Ein Hauptproblem wird wieder sichtbar: Staatliche Stellen sind wegen der fehlenden Gewaltenteilung nicht genügend beaufsichtigt, haften nur über den Steuerzahler und sind für Fehlerkosten nicht versichert.  

Schon Mitte Januar 2009 berichtete Lütger Fertmann, dass das marode (Endlager)-Salzbergwerk Asse II einzustürzen droht (17./18. 1. 09 in HA). Von den Endlager-Schwierigkeiten des ehemaligen DDR Endlagers Morsleben, etwas nordöstlich von Asse, wurde kurz zuvor (in DER SPIEGEL 43/2008) geschrieben. Es "erweist sich als gigantischer Sanierungsfall." 

Am 24. 10. 10 protestierten bundesweit wieder rund 20.000 Menschen gegen geplante Castor Transporte im November (in HA 25. 10. 10). Zuvor verfügte das Verwaltungsgericht Lüneburg einen vorläufigen Baustopp bei der Erkundung des Gorlebener Salzstocks auf seine Eignung als Endlager für hochradioaktiven Atommüll. Erst Anfang Oktober hatte das BMU angeordnet, dass die Arbeiten daran, nach zehnjähriger Unterbrechung, fortgestzt werden sollten. "Dagegen reichten dann Atomkraftgegener, Anwohner wie Salzstock_Teilinhaber Andreas graf von Bernstorff und Elbfischer Christian Köthke sowie die evangelische Kirchengemeinde Gartow Klagen vor dem Verwaltungsgericht ein. Dessen Sprecher...bestätigte am Freitag (22. 10. 10): "Die Klagen haben aufschiebende Wirkung, es dürfen keine vollendeten Tatsachen geschaffen werden."... Am 6. 11. 10 wurde bereits Wochen vor dem Eintreffen des 12 Castortransports mit mehreren 10.000 Demonstanten gerechnet, weit mehr als je zuvor (Ludger Fertmann in HA 23./24. 10. 10). Am 25. 10. 10 zogen Demonstranten mit einer Castor-Atrappe und vielen gelben Fässern demonstrierend nach Berlin. 

Leider wird die Endlagerung, die ja erfolgen muss, gleichgültig ob ein Ausstieg erfolgt oder nicht, auch politisch missbraucht. - Siehe zur "Endlagerung radioaktiver Abfälle" auch unter "Alternativ-Energien?".

Am 26. 10. 10 berichtete Ludger Fertmann im Hamburger Abendblatt dann davon, dass er selbst im Gorleben-Lager eingefahren war. Er zitierte den Dipl.-Ing. für Kerntechnik, Lutz Oelschläger,  als Leiter des einlagernden GNS-Nuklear-Service mit den Worten: "Was wir hier machen, ist nicht unheimlich, nicht gefährlich und auch nicht geheimnisvoll." Und noch etwas zitierte er: "Im kommenden Jahr kommen die 11 letzten Castoren aus Frankreich, dann kommt eine mindestens zweijährige Pause und ab 2014 rollen noch einmal die vier letzten Transporte mit je 21 Castoren aus Großbritannien. Dann ist mit 134 Castoren Schluss, weil es dann keine Wiederaufbereitung abgebrannter Brennelemente mehr gibt. ..Von den ursprünglich vorgesehenen 420 Stellplätzen für Castoren im Zwischelager Gorleben wird nur noch knapp ein Drittel gebraucht."

Selbst der frühere Umweltminister Gabriel berichtete im Fernsehen, dass man ja auch beim Fliegen erhöhter Radioaktivität ausgesetzt sei. In Wirklichkeit ist diese, wegen der anderen und erheblich größeren Schädlichkeit der künstlichen Strahlung aus Atomkraftwerken, nicht vergleichbar. Siehe dazu auch www.haussanierungspraxis.de dort unter "Gesundes Wohnen" und dort bei der Radonbelastung.

 

Endlagerung radioaktiver Abfälle (NA 8.5)

Wie schon bei "Alternativ-Energien?" berichtet, ist ein Hauptproblem die sichere Endlagerung von im Jahre 2007 300 Ts. to und 2020 evtl. 445 Ts. to z. T. radioaktiver Abfälle weltweit (lt. SPIEGEL 28/08, Quellen IAEA, WINA). Die bisher ungelöste Endlagerung ist mit ein Hauptgrund für den Ausstiegswunsch vieler Atomkraftgegner. In Finnland bejubelte man Anfang 2009 stattdessen nicht nur ein neues AKW, sonndern auch das neue Atommüllendlager in Eurajoki. Man sei eben besser als die Deutschen und Schweden, meinte man. 

Zur Zeit bezeichnet das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in seiner Schrift die "Endlagerung radioaktiver Abfälle als nationale Aufgabe". Sie ist auch eine internationale Aufgabe. Imformationen dazu: www.bfs.de - von Gegnern werden Risiken ausreichend dargestellt, wie z. B. : www.ausgestrahlt.de  (als Kampagne gegen Atomenergie) oder www.atommuell-endlager.de (mit Informationen zu allen evtl. Endlager-Standorten in Deutschland) oder www.castor.de/material/salzstock.html des Hamburger Geologen Eckard Grimmel über s. E. Gorleben-Probleme.

Der Pastor Eckhard Kruse ist Endlagerbeauftragter der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover. Er sagte unter anderem zu Ludger Fertmann (im HA 25. 10. 10): "...Vor allem ist die Politik bislang standortunabhängige Kriterien für ein Endlager schuldig geblieben." Und weiter sagte Kruse: "Ganz deutlich: Wir brauchen ein Endlager, und wenn die Politik auf unsere Forderung eingeht, solche Kriterien zu entwickeln und zeitgleich alternative Standorte mit anderem Wirtsgestein zu erkunden, werden wir hier in Gatow auch Kirchenland für eine Erkundung zur Verfügung stellen., statt dagegen zu klagen. Es geht um Verfahren bis zur eigentlich selbstverständlichen Öffentlichkeitsbeteiligung mit gestzlicher Absicherung, also die Anwendung der Atomrechte oder mindestens des strengen neuen Bergrechts...."

Am Freitag, dem 22. 10. 10 forderte auch das katholische Bistum Hildesheim, nicht nur Gorleben auf seine Endlager-Eignung zu untersuchen (Ludger Fertmann 23./24. 10 in HA).

Standortunabhängige Kriterien als Zusammenfassung in Behältern, die völlig strahlungs-, wasser- und wärmedicht sowie bis errechneter Strahlungslosigkeit haltbar sind - und als Transport und Endlager genutzt werden können, war die Idee des Leiters der nachfolgend genannten ARGE (Arbeitsgemeinschaft). Diese Behälter, weitgehend aus Spezialbeton, können dann transportiert und auch, z. B. in einer Wüste oder an jedem Punkt, abgelegt und sogar mit Erdreich überdeckt und bepflanzt werden.

Der leitende Ingenieur dieser Erfindungsidee der ARGE Atommülltransport und -endlagerung hat über das Thema Endlagerung am 22. 9. 10. lange mit dem Leiter des Fachbereichs "Sicherheit nuklearer Entsorgung" des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Dr. Hoffmann, auf BMU-Vermittlung in Salzgitter-Lebenstedt, dem BfS-Sitz, gesprochen.

Das ARGE-Mitglied Dr.-Ing. Langer sah bei der ARGE-Zusammenkunft am 13. 10. 10 als Sachverständiger keine Schwierigkeiten, beispielsweise bezüglich der Wasserdichtigkeit. Dr.-Ing. Marck empfahl, auch für Gorleben, zusätzlich den Messgeräte-Einbau bei der Endlagerung mit einer Übertragungsmeldung an irgendeine Meldestelle, damit die Sicherheit zusätzlich immer überprüft würde - und allen als Beweis der Sicherheit dienen könnte. Er hatte einige Zeit vorher das Endlager in der Tiefe besucht. Er sagte ausdrücklich, dass die Arbeit der Endlagerung (durch den GNS-Nuklear-Service) mit Genehmigung und Überwachung durch das BfS dort unten gut wäre.

Beim BfS wird auch und zunächst vor allem eine Gorleben-Endlagerung genehmigt und überprüft, die bis zum Abklingen, auch in 1 Million Jahren, sicher sein soll. Dr. Hoffmann skizzierte bei der Besprechnung, dass ca. 320-330 m Ton in Gorleben oberhalb des Endlagers lägen und ein Wassereintritt, wie oft von Gegnern behauptet, nicht möglich sei. Zusätzlich würden die Hohlräume mit Endlagerbehältern dann mit Beton ausgegossen werden können. Anzumerken ist zusätzlich: Das BfS versteht sich als staatliche Genehmigungs- und Überwachungsbehörde (Gewaltenteilung).

Als das staatliche Helmholz-Zentrum in München ASSE mit 126.000 Fässern Atommüll bestückte, der heute wieder entfernt werden müsste, fehlte diese Gewaltenteilung. Dabei waren auch die Arbeiter nicht, wie heute, lückenlos mit Strahlenmessgeräten versehen (fert in HA 21. 8. 09). Vor dem CDU-Umweltminister Dr. Röttgen waren für die Arbeiten indirekt oder direkt auch die heute teilweise mit-protestierenden Umweltminister Gabriel (SPD) und Trittin (Grüne) zuständig.

Die Castorbehälter wurden und werden vom GNS-Nuklear-Service erforscht und erstellt (www.gns.de ). Die Bestellmenge soll nach GNS-Angaben 1600 Stück sein, wovon rund 1100 ausgeliefert sind. Castor ist die Abkürzung für "cask for storage and transport of radioactive material". Weil allein schon der vorhandene Atommüll, auch aus ASSE, irgendwo bleiben sollte, ist das Motto "Castor zurück" grob umweltvernichtend, denn der preiswertere Strom wurde ja hier bereits verbraucht. Die ARGE Atommülltransport und -endlagerung hält deshalb wasser- und strahlungsdichte Betonbehälter, die auch übereinander stapelbar sind - die sogar in die Wüste gefahren werden könnten - für gut machbar, brauchbar und für exportfähig, wenn man sie denn noch braucht. Es wäre aber eine Alternative.

Hierüber wird zu gegebener Zeit hierüber weiter berichtet werden. 

 

Endlagerungs- und Abbaukosten der AKW (NA 8.6)

Ein Hauptproblem ist die sichere Endlagerung von z. B. im Jahre 2007 300 Ts. to und 2020 evtl. 445 Ts. to z. T. radioaktiver Abfälle weltweit (lt. SPIEGEL 28/08, Quellen IAEA, WINA) po Jahr. Die bisher ungelöste Endlagerung ist mit ein Hauptgrund für den Ausstiegswunsch vieler Atomkraftgegner. Zur Endlagerung und den Folgen der jetzigen Forschungen siehe auch Zukunftsforschungen und Nachhaltigkeitskrise. Eine Ingenieursgruppe bearbeitet als ARGE (Arbeitsgemeinschaft) hierzu als Alternative eine sichere Atommülltransport und -endlagerung.

Zur Sicherheit der Atomkraftwerke meinte das DGB- und SPD-Vorstandsmitglied Dietmar Hexel auf Befragen (der Berliner Zeitung Nr.168/08) unter anderem: "...Die Folgen eines ...Unfalls, der ein großes Gebiet in Deutschland verstrahlt, wären so enorm, dass dies alle irgend möglichen Vorteile in den Schatten stellt. Durch die gestiegene Terrorrismusgefahr ist es sogar möglich, dass so etwas von außen herbeigeführt wird.. Speziell unsere älteren Reaktoren sind da anfällig. "Wenn ich als Atomminister für diesen Zustand verantwortlich wäre, dann würde ich sehr schlecht schlafen".

Bei Verwirklichung der Töpfer-Vorschlage wäre genug Geld für für eine sofortige Sicherung der älteren Reaktoren (Stahlbetonhaube) und den Ausbau der "erneuerbaren" Energie-Alternativen vorhanden. Dazu machte Hexel auf die Frage nach Deckung der Versorgungslücke nach AKW-Abschaltung in dem Tagesspiegel-Interview verschiedene Vorschläge.

Die Möglichkeit eines nahen GAUs könnte sich bei einem Ausstieg aus der Forschung sogar noch erhöhen, weil (siehe Tabelle und Töpfer) alle Nachbarländer große Mengen an AKWs betreiben und deren Forschungen und Sicherheitsstandarts uns in Deutschland immer unbekannter würden. In Finnland bejubelte man Anfang 2009 nicht nur ein neues AKW, sonndern auch das neue Atommüllendlager in Eurajoki. Man sei eben besser als die Deutschen und Schweden. 

Der Leiter des Instituts für Risikoforschung, Wolfgang Kromp, berichtet (H. Wiesner in Zeitlupe 144 10/08 Fax 04169/9098788), dass das Uran nur noch 25 Jahre reichen würde, ein Ausbau der Atomkraft also sinnlos sei. Er nennt die Atomkraftanwendung gesetzlos.

Zur Zeit bezeichnet das Bundesamt für Strahlenschutz in seiner Schrift die "Endlagerung radioaktiver Abfälle als nationale Aufgabe". Sie ist auch eine internationale Aufgabe. Imformationen dazu: www.bfs.de - von Gegnern werden auch die ungeheuren Risiken ausreichend dargestellt, wie z. B. : www.ausgestrahlt.de (als Kampagne gegen Atomenergie) oder www.atommuell-endlager.de (mit Informationen zu allen Endlager-Standorten in Deutschland) oder www.castor.de/material/salzstock.html des Hamburger Geologen Eckard Grimmel über Gorleben-Probleme.

Allerdings wird die Endlagerung, die ja erfolgen muss, gleichgültig, ob ein Ausstieg erfolgt oder nicht, in gröbster Weise politisch missbraucht. Der leitende Ingenieur der ARGE Atommülltransport und -endlagerung hat über dieses Thema lange mit dem Leiter Endlagerung des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Dr. Hoffmann, auf BMU-Vermittlung in Salzgitter, dem BfS-Sitz, gesprochen. Beim BfS wird vor allem eine Gorleben-Endlagerung genehmigt und überprüft, die bis zum Abklingen, auch in 1 Million Jahren sicher sein soll. Dr. Hoffmann skizzierte bei der Besprechnung, dass ca. 320-330 m Ton oberhalb des Endlagers lägen und ein Wassereintritt, wie von Gegnern behauptet, nicht möglich sei. Zusätzlich würden Hohlräume mit Endlagerbehältern mit Beton ausgegossen werden können.

Anzumerken ist zusätzlich: Das BfS versteht sich als staatliche Genehmigungs- und Überwachungsbehörde (Gewaltenteilung). Als das staatliche Helmholz-Zentrum in München ASSE mit 126.000 Fässern Atommüll bestückte, der heute wieder entfernt werden müsste, fehlte diese Gewaltenteilung. Dabei waren auch die Arbeiter nicht, wie heute, lückenlos mit Strahlenmessgeräten versehen (fert in HA 21. 8. 09). Vor dem CDU-Umweltminister Dr. Röttgen waren für die Arbeiten indirekt oder direkt auch die heute mit-protestierenden Umweltminister Gabriel (SPD) und Trittin (Grüne) zuständig.

Die Castorbehälter wurden und werden vom GNS-Nuklear-Service erforscht und erstellt (www.gns.de ). Selbst der frühere Umweltminister Gabriel berichtete im Fernsehen, dass man ja auch beim Fliegen erhöhter Radioaktivität ausgesetzt sei. In Wirklichkeit ist dies, wegen der anderen und erheblich größeren Schädlichkeit der künstlichen Strahlung aus Atomkraftwerken, nicht vergleichbar. Siehe dazu auch www.haussanierungspraxis.de dort unter "Gesundes Wohnen" und dort bei der Radonbelastung.

Weil allein schon der vorhandene Atommüll, auch aus ASSE, irgendwo bleiben sollte, ist das Motto "Castor zurück" grob umweltvernichtend, denn der preiswertere Strom wurde ja hier bereits verbraucht. Die ARGE Atommülltransport und -endlagerung hält deshalb wasser- und strahlungsdichte Betonbehälter, die auch übereinander stapelbar sind - die sogar in die Wüste gefahren werden könnten - für gut machbar und brauchbar.

Volker ter Haseborg schrieb am 25. 3. 2011 ganzseitig im Hamburger Abendblatt über das 2003 unter ROT-GRÜN abgeschaltete AKW Stade (zwischen Hamburg und Cuxhaven). Der Bau kostete 150 Millionen €, der Rückbau kostet 500 Millionen €, dauert dabei 13 Jahre und beschäftigt 400 Menschen. (Würden 7 also 2011 sieben AKW abgeschaltet werden würde der Rückbau rund 3,5 Milliarden kosten. Hinzu kämen evtl. davon fehlende Einnahmen und erhöhte Ausgaben. Der frühere Ingenieur des Karftwerks Hecker wurde zur Abschaltung befragt. Er sagte: "Die rot-grüne Bundesregierung brauchte ein Erfolgserlebnis, wir waren das Bauernopfer." Die Abschaltung von Stade war nach Heckers Aussage keine Entscheidung der Politik, sondern eine Entscheidung des Betreibers E.on: Der Standort Stade war zu alt und verursachte einfach zu hohe Kosten im Vergleich zu anderen Standorten. 

 

"Atomunfall nie ausgeschlossen" (NA 8.7)

Friedemann M. Grüning schrieb im Leserbrief als ehemaliger Kraftwerksplaner (FAZ 1. April 2011) unter anderem: "Gravierende Störfälle in Kraftwerken entwickeln sich in der Regel durch Überlagerung von technischen Schwachstellen, Bedienfehlern und/oder äußeren Einflüssen. Ein Zusammentreffen möglicher Störfallentwicklungen kann weder durch eine technisches Regelwerk noch durch Training des Bedienpersonals oder die Ausschaltung äußerer Einflüsse voll beherrscht werden."

Unter der Überschrift "Atomunfall nie ausgeschlossen" zitierte die FAZ am 31. 3. 2011 aus Paris (chs 30. März) den Präsidenten der französischen Aufsichtsbehörde ASN, André-Claude Lacoste mit: "Ich habe immer gesagt: Man kann nicht garantieren, dass es in Frankreich niemals zu einem schweren Unfall kommen wird", er sagte dies in einem Interview mit der Zeitung 'Le Monde'. 

Beispiel Tschernobyl: Der Reaktor 4 explodierte am 26. 4. 1986. Nur lag Tschernobyl mit nur 16.500 Einwohnern noch 16 km vom Reaktor entfernt. Trotzdem ist noch immer eine Sperrzone von rund 30 km um den Reaktor als unbewohnbar gelegt. Nur werden die Probleme in dicht besiedelten Japan, im Meer und sogar für China unglaublich größer werden.

Zusätzlich sollte auch an die beträchtlich erhöhte Radioaktivität in der Luft nach einem Reaktorunfall, wie beispielsweise in Japan, erinnert werden.

In Schutzräumen wurde noch z. Zt. des Kalten Krieges grundsätzlich eine Ausfilterung von Radioaktivität in der Luft durch Filter eingeplant. Der Verfasser hatte nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl in verschiedenen Gegenden die Radioaktivität gemessen. Sie war beispielsweise in östlichen Berglagen erheblich höher als im Radio angegeben. Sie war aber bei gut gefilterter Luft durch eine gute Klimaanlage, wie z. B. in der Hamburger Alsterschwimmhalle, gleich Null.

Klimaanlagen mit Wärmerückgewinnung, wie sie zwecks Energieeinsparung immer mehr eingebaut werden, aber auch normale Klimaanlage für Büros, sollten zukünftig die Ausfilterung von Radioaktivität berücksichtigen. Selbst bei einem deutschen Atomausstieg wären die Reaktoren der Nachbarländer nicht weit.

Übliche, geplante Maßnahmen stellte Volker Stollorz in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 22. 5. 2011 unterder Überschrift "Von Fukushima lernen" vor: Vorweg darin: "Lange Zeit hieß es, mit Reaktorkatastrophen sei nur alle paar tausend Jahren zu rechnen. Inzwischen wissen wir es besser. Welche Konsequenzen hat das?" Unter 10 Überschriften wurden dann wichtige Fragen auf einer ganzen Seite aufgelistet und beantwortet:

  1. "Wie konnte es in Fukushima zur Katastrophe kommen?.
  2. Wie schlimm ist der japanische Strahlenunfall im Vergleich zu Tschernobyl?
  3. Welche Belastung haben die Menschen im Umkreis von Fukushima künftig zu erwarten?
  4. Würden deutsche Atomkraftwerke unerwarteten Ereignissen besser widerstehen?
  5. Welche externen Hilfskräfte ständen in Deutschland im Ernstfall zu Verfügung?
  6. Wäre der Katastrophenschutz in Deutschland auf einen Strahlenunfall dieser Dimension vorbereitet?
  7. Wie üben Katastropenschützer einen schweren Strahlenunfall?
  8. Müssen Strahlenschutzexperten grundsätzlich umdenken?
  9. Wann würden hierzulande Evakuierungen erfolgen?
  10. Wie lässt sich Panik in der Bevölkerung nach einem Atomunfall vermeiden?"

Die Fragen und Antworten sind also sehr umfangreich.

 

30. 5. 2011 Atomausstieg beschlossen (NA 8.8)

Im Jahre 2022 soll, nach Beschluss der CDU/CSU/FDP-Bundesregierung, der letzte Reaktor vom Netz gehen. Die Regierung folgte damit im Wesentlichen den Empfehlungen der Ethikkommission, die nach dem Fukushima Reaktorunglück gegründet wurde. Der Vorsitzende Prof. Töpfer sagte dazu: "Wir sind weltweit ein Unikat."

Greenpeace hielt den Ausstieg für unverantwortlich lang, während BDI-Präsident Keitel von eine "Wende ohne Netz und dppelten Boden" sprach, und Ex-BASF-Chef Hambrecht warnte vor den Kosten.

Am Montag, dem 30. 5. 2011 teilte Umweltminister Röttgen das Atom-Aus mit (Jan W. Schäfer in Bild 31. 5. 11). Nach dem Plan der Bundesregierung sollen die 7 schon abgeschalteten Kraftwerke nicht wieder ans Netz gehen. Dazu gehören Isar 1, Neckarwestheim, Philippsbur 1, 1,Biblis A, Unterweser, Brunsbüttel und zusätzlich das Kraftwerk Krümmel. Die verbleibenden Kraftwerke sollen schrittweise abgeschaltet werden, die 3 modernsten - Emsland, Isar 2 und Neckarwestheim als Sicherheits-Versorgungspuffer erst am 31. 12. 2022.

Bild listete sodann (von Angi Baldauf u. Ralf Schuler 31. 5. 11) die Energielieferung auf:

2011: 23 % Kernenergie, 23 % Braunkohle, 18 % Steinkohle, 14 % Erdgas, 5 % Öl, Sonstiges, 17 % Erneuerbare.

ab 2022: 25 % Braunkohle, 15 % Steinkohle, 14 % Erdgas, 5 % Öl, Sonstiges, 35 % Erneuerbare.

Der Stromverbrauch teilte sich 2010 auf: 46 % Industrie, 26 % Haushalte, 14 % Handel und Gewerbe, 9 % Öffentliche Einrichtungen, 3 % Verkehr, 2 % Landwirtschaft.

Am 3. 6. 2011 einigte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den 16 Regierungschefs der Länder auf einen noch schnelleren Ausstieg: Bereits 2015, 2017 und 2019 wird schon jeweils ein Kraftwerk abgeschaltet. "Für jedes Atomkraftwerk wird ein Enddatum zugeordnet werden", sagte sie (4./5. 6. 11 in HA).

 

Radioaktivität in Lebensmitteln! (NA 8.9)

Im ersten Kaptel wurde bereits ein Hauptproblem wie folgt angesprochen:

Weil die Strahlung in großem Umkreis auch die Nahrung kontaminiert, wird durch www.verbraucherzentrale.de  die Radioaktivität in Lebensmitteln, täglich aktualisiert, angegeben. Einfach auf das Bundesland drücken. Auch aus dem Tschernobyl-Unfall wird die Radioaktivität angegeben.

Schon am 13. 4. 2011 wurde gemeldet (t-online.de, AFP, dpa): Das französische Forschungsinstitut CRIIRAD meldet erste Spuren von radiaktivem Jod-131 in Proben von Regenwasser und Milch in Südfrankreich. Die Proben vom 27. u. 28. 3. 11 zeigten 8,5 Becquerel per qm. Auch Freilandgemüse, Salat und mit Regenwasser begossene Treibhausware können zukünftig betroffen sein. Auch in Deutschland, Kanade und den USA wurden Ende März, Anfang April 2011 erste radioaktive Teilchen in geringer Menge entdeckt.

Wegen der großen Gefahr durch radiaktive Nahrung forderte die Verbraucherorganisation Foddwatch nach Fukushima (lt. dpa in T-Online 20. 9. 11 aus Berlin) strengere Radioaktivitäts-Grenzwerte in Lebensmitteln. "Die bestehenden Regeln in der EU ließen unnötig hohe Gesundheitsrisiken zu. Das kritisierten Foddwatch und die deutsche Sektion der internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs. Nötig sei, die EU-Höchstgrenzen für Cäsium von 600 auf 16 Becquerel pro Kilogramm Lebensmittel zu senken, für Babynahrung und Milchprodukte von 370 auf 8 Becquerel . Radioaktives Jod mit seiner kurzen Halbwertszeit dürfe gar nicht toleriert werden".


Orientierung durch INFOS im Zusammenhang: www.info-sd.de
Wir leben ein Schuldenleben auf Kosten nächster Generationen und der Ressourcen.